Eine SSD kostet heute rund doppelt so viel wie vor einem Jahr, Arbeitsspeicher teilweise noch mehr. Das ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine strukturelle Verschiebung der Halbleiterindustrie. Dieser Ratgeber erklärt die Ursachen, ordnet die Zahlen ein und zeigt, welche Konsequenzen das für die Datensicherung zuhause und im KMU hat.
Drei Hersteller – Samsung, SK Hynix und Micron – kontrollieren gemeinsam den grössten Teil des weltweiten Speichermarkts. Alle drei haben ihre Fertigungskapazität in Richtung High Bandwidth Memory verlagert, also jenen Spezialspeicher, der in KI-Beschleunigern steckt.
Der Grund ist betriebswirtschaftlich naheliegend: Die Margen dort liegen um ein Vielfaches über denen von gewöhnlichem NAND-Flash für Consumer-SSDs. Wenn Rechenzentren jede lieferbare Einheit abnehmen und dafür jeden Preis zahlen, wird keine Fabrik vorrangig Speicher für Notebooks produzieren.
Dazu kommt, dass die verbleibende NAND-Kapazität weitgehend in langfristigen Verträgen mit grossen Cloud-Anbietern gebunden ist. Für den freien Markt bleibt entsprechend wenig übrig – und dieser Rest wird über den Preis zugeteilt.
Merksatz: Es fehlt keine Fabrik. Es fehlt Kapazität, die für Consumer-Produkte übrig bleibt.
Samsung hat die Vertragspreise für NAND-Flash im ersten Quartal 2026 um über 100 Prozent angehoben. Bei NVMe-SSDs im Handel schlug sich das in einem durchschnittlichen Aufschlag von rund 115 Prozent nieder; SATA-Modelle liegen bei etwa 75 Prozent, weil dort die Margen ohnehin schmaler waren und Hersteller einen Teil abfedern.
Im Servergeschäft fällt es noch drastischer aus: Eine Enterprise-SSD mit 30 TB kostete Mitte 2025 rund 3'000 US-Dollar, Anfang 2026 etwa 17'500 – knapp das Sechsfache.
Beim Arbeitsspeicher ist die Entwicklung ähnlich. Der Anteil von RAM und SSD an den Gesamtkosten eines neuen Rechners hat sich von rund 15 bis 18 Prozent auf etwa 35 Prozent erhöht. Speicher ist damit vom Nebenposten zum teuersten Einzelbestandteil geworden.
Immerhin: Nach dem steilen Anstieg zu Jahresbeginn hat sich das Tempo abgeschwächt. Die monatlichen Steigerungsraten sind von deutlich über 25 Prozent auf niedrige einstellige Werte zurückgegangen. Das Niveau bleibt hoch, der freie Fall nach oben hat aber aufgehört.
Zwei Gründe sprechen gegen eine baldige Entspannung.
Erstens produzieren die Hersteller nicht einfach mehr. Samsung reduziert die Waferproduktion im laufenden Jahr, SK Hynix ebenfalls. Die Investitionen fliessen in DRAM und HBM, nicht in NAND.
Zweitens dauert der Bau neuer Fertigungskapazität Jahre, nicht Monate. Samsungs Speicherverantwortlicher hat im April 2026 ausdrücklich vor erheblichen Engpässen bis mindestens 2027 gewarnt. Marktbeobachter erwarten eine spürbare Entspannung frühestens 2027 bis 2028.
Wer also darauf wartet, dass die Preise wieder auf das Niveau von 2024 fallen, wartet vermutlich vergeblich.
Wenn ein NAS, eine Serverplatte oder eine externe Festplatte ohnehin fällig ist, bringt Warten aktuell keinen Vorteil. Die Prognosen für die kommenden Quartale zeigen nach oben, nicht nach unten. Umgekehrt gilt aber auch: Kaufen Sie nicht auf Vorrat. Speicher altert, und Kapazität, die drei Jahre ungenutzt im Regal liegt, war eine schlechte Investition – unabhängig vom Preis.
Die naheliegende Reaktion ist, Festplatten länger im Betrieb zu lassen. Das ist vertretbar, verschiebt aber das Ausfallrisiko nach oben. Wer das tut, muss die SMART-Werte im Blick behalten und braucht zwingend eine funktionierende zweite Kopie – Stichwort 3-2-1-Regel. Eine alte Platte ohne Backup ist keine Sparmassnahme, sondern ein aufgeschobener Datenverlust.
Gerade bei Backups wächst der Speicherbedarf oft schneller als nötig, weil alte Stände nie aufgeräumt werden. Eine saubere Aufbewahrungsregel – etwa tägliche Stände für einen Monat, monatliche für ein Jahr – spart mehr Kapazität als jede Preisverhandlung. Deduplizierung und Kompression tun das Übrige: Wenn dieselbe Datei nur einmal gespeichert wird statt in jedem Stand erneut, sinkt der Bedarf erheblich.
Bisher war die Rechnung einfach: Eigene Hardware kostet einmal, Cloud kostet monatlich, ab einem gewissen Zeitraum lohnt sich die eigene Platte. Diese Rechnung hat sich verschoben. Wenn die Anschaffung doppelt so teuer ist wie geplant, verschiebt sich der Break-even um Jahre nach hinten – und Kapazität, die man mietet, muss man nicht im Voraus finanzieren.
Das spricht nicht grundsätzlich gegen eigenen Speicher. Es spricht dafür, die Rechnung neu zu machen, statt sie aus der Erinnerung zu übernehmen.
Beim Smartphone zeigt sich derselbe Effekt besonders deutlich. Die grössere Speichervariante kostet beim Kauf einen dreistelligen Aufpreis – und dieser Aufpreis dürfte durch die Chipknappheit eher steigen als fallen.
Dabei löst er das Problem nur einmalig: Auch die grössere Variante ist nach zwei bis drei Jahren voll, und der bezahlte Speicher ist beim nächsten Gerätewechsel wieder weg. Speicher im Gerät ist nicht erweiterbar, nicht übertragbar und derzeit so teuer wie lange nicht.
Die günstigere Alternative bleibt dieselbe wie vor der Krise, nur mit grösserem Abstand: Fotos und Videos auslagern statt Speicher nachkaufen. Wie das ohne Datenverlust geht, steht im Ratgeber iPhone-Speicher voll: was wirklich hilft.
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Eine spürbare Entspannung erwarten Marktbeobachter frühestens 2027 bis 2028, wenn neue Fertigungskapazitäten in Betrieb gehen und der erste Investitionszyklus für KI-Infrastruktur abflaut. Kurzfristige Rückgänge sind möglich, eine Rückkehr auf das Niveau von 2024 ist nicht absehbar.
Beide. Klassische Festplatten sind zwar nicht direkt von der NAND-Knappheit betroffen, profitieren aber von Ausweichnachfrage: Wer keine bezahlbare SSD bekommt, kauft HDDs. Für reine Archiv- und Backup-Zwecke bleiben Festplatten dennoch die günstigste Option pro Gigabyte.
Für konkret geplante Projekte ja, für Vorratshaltung nein. Ungenutzte Datenträger verlieren an Wert, und die Lagerung bindet Kapital. Kaufen Sie, was Sie in den nächsten Monaten tatsächlich einsetzen.
Cloud-Anbieter beschaffen dieselbe Hardware und geben steigende Kosten mittelfristig weiter. Der Unterschied liegt in der Struktur: Sie zahlen laufend statt einmalig und binden kein Kapital im Voraus. Zudem greifen bei grossen Anbietern langfristige Beschaffungsverträge, die Preisspitzen abfedern.
Eine Kombination: aktuelle Daten auf schnellem lokalem Speicher, ältere Stände komprimiert und dedupliziert in die Cloud. So bezahlen Sie schnellen Speicher nur für das, was Geschwindigkeit braucht – und das Archiv kostet einen Bruchteil.